24 hours on my Honeymoon

Der Tag hat nur 24 Stunden, und das ist nicht genug.

Interessante Aussage. Sollte man die Stundenanzahl etwa auf 36 erhöhen? Den Tag würde das nicht unbedingt länger machen. Nur die Schulstunden kürzer. Vielleicht doch keine so schlechte Idee.

Möglicherweise hatte Lana Del Rey auch nur 24 Stunden Zeit für ihre Flitterwochen, aber weshalb sie die überhaupt hat, weiß ich nicht. Sie ist nicht verheiratet. 

Vielleicht hatte sie nur 24 Stunden Zeit, um das Lied zu produzieren, eines der letzten auf dem Album?

Ist ja eigentlich auch egal.

»Julia, kannst du uns dein Ergebnis sagen?«

Ich schaue auf. So viele große, böse, fiese, miese Zahlen auf der Tafel, um es in den Worten einer Freundin auszudrücken. Ich hasse Mathe. 

Ich könnte einfach mit 42 antworten, das ist doch die Lösung für alles. Wenn man davon die 4 und die 2 vertauscht wären wir auch wieder bei 24, dem Lied, das mir in dieser endlosen Mathestunde einfach nicht aus dem Kopf gehen will. 

Was mache ich hier eigentlich? Wofür brauche ich diesen ganzen Scheiß?

Ich schüttle den Kopf in Richtung meines Lehrers. 

Ich weiß die Antwort nicht. 

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Gelöscht – Teri Terry

(Ja, das ist eine Katze.)

Stell dir vor, du lebst in der Zukunft. Nicht sehr weit weg von unserer Zeit, nur ein paar Jahre. Aber in diesen Jahren haben die Ärzte sich einiges mehr an Wissen über den menschlichen Verstand angeeignet. So viel, dass es jetzt ganz neue Techniken gibt, mit straftätigen Jugendlichen umzugehen. Du musst nämlich nicht mehr ins Gefängnis. Nein, man hat beschlossen, dir einen komplett neuen Start in ein besseres Leben zu ermöglichen. Ein neues Umfeld, ein neuer Name und keine Erinnerungen an dein bisheriges Leben. Denn sie haben dein Gedächtnis gelöscht. Du solltest dankbar sein.

Genau das ist Kyla passiert. Sie wird in eine Adoptivfamilie gesteckt. Das Armband an ihrem Handgelenk weißt sie als das aus, was sie ist: ein Slater. Und das Armband ist ein Levo; es misst ihre Stimmung und sobald der Wert zu niedrig ist, macht es sie bewusstlos. Man möchte schließlich nicht, dass die Slater wieder gewalttätig werden, es könnte ja doch noch etwas von dem alten Verhalten in ihnen strecken.

Und obwohl Kyla nichts über ihr voriges Leben weiß, gibt es da doch etwas, dass mit ihr nicht stimmt: sie hat Albträume, fast jede Nacht. Und sie wirken so vertraut, so real. Sind es etwa doch Erinnerungen?

„Gelöscht“ ist eines meiner absoluten Lieblingsbücher, und ich empfehle es so gut wie jedem. Denn egal ob ihr gerne Thriller, Fantasy oder realistische Bücher lest: dieses Meisterwerk wird euch gefallen. Ich verspreche es. Mit seinem lebhaften Schreibstil und einer sympathischen Protagonistin zieht es einen sofort in das Geschehen hinein. Zusammen mit Kyla erlebt man alles wie zum ersten Mal. Es ist faszinierend, mitzuerleben, wie ein sechzehnjähriges Mädchen versucht, die Menschen um sich herum zu verstehen, Gefühlsregungen und schließlich Lügen zu erkennen lernt. Und die Vorstellung, in ihrer Realität, in dieser Zukunft zu leben, ist natürlich auch super interessant.

Und dann ist da natürlich diese brennende Frage: wer war Kyla, bevor sie geslated wurde? War sie wirklich eine Kriminelle? Und natürlich auch die Menschen um sie herum, wer sind die? Die ohne Gedächtnis, aber auch vor allem mit. Aber natürlich ist das noch nicht alles, die Staatsform ist zum Beispiel auch total interessant. Die „Lorder“. Und natürlich Ben. Der ist auch interessant ;). Aber ehrlich gesagt will ich gar nicht zu viel verraten. Nur so viel: ich garantiere dir: DU WIRST ES NICHT BEREUEN, DIESES BUCH ZU LESEN.

Tu es einfach.

Genre: Science Fiktion

Erzählform: Ich-Erzähler (Kylas Sicht), Präsens

Seitenzahl: 429 (Taschenbuch)

Erscheinungsjahr: 2015

Bewertung: 11/10 Punkten

Ein weiteres meiner Lieblingsbücher: Der Große Gatsby – F. Scott Fitzgerald.

Erhebung – Stephen King

Scott hatte Angst – alles andere wäre töricht gewesen -, war jedoch auch neugierig. Und noch etwas. Glücklich? War er das? Ja. Wahrscheinlich war das irrsinnig, aber es traf eindeutig zu. […] Wieso sollte er sich schlecht wegen etwas fühlen, was er doch nicht ändern konnte? Wieso sollte er es nicht annehmen?

Mit Scott passiert etwas. Etwas ganz und gar unglaubliches. Etwas, das er nicht versteht. Scott ist groß, etwa zwei Meter, und er ist dick. Sein Bauch hängt über dem Hosenbund, wenn er steht. Aber obwohl seine Körperform sich nicht im geringsten verändert, verliert Scott an Gewicht. Nicht dass er Fett abbauen würde. Nein, es ist nur einfach so, dass die Waage, jedes Mal wenn er sie betritt, einen niedrigeren Wert anzeigt. Und nichts scheint den Vorgang aufhalten zu können. Selbst das viele Essen hilft ihm nicht, an Gewicht zuzulegen. Was jedoch noch viel seltsamer ist: alles, was Scott in die Hand nimmt, scheint ebenfalls an Gewicht zu verlieren, während es ihm selbst schwer vorkommt. Es ist, als ob um ihn herum ein Kraftfeld wäre, das ihn nach und nach vom Einfluss der Schwerkraft trennt. Als Scott seinem Freund, einen in Ruhestand gegangenen Arzt, Doctor Bob davon erzählt, will er ihm erst nicht glauben, bis ihn die Zahl auf der Waage von dem Phänomen überzeugt. Allem Zuspruch zum Trotz weigert sich Scott ein Krankenhaus aufzusuchen, aus Angst als Versuchsobjekt missbraucht zu werden.

Doch trotz all dieser Geschehnisse ist Scott nicht allzu beunruhigt. Lieber verwickelt er sich in einen Streit mit seinen beiden Nachbarinnen, die aufgrund ihrer Ehe von allen Bewohnern der Kleinstadt missachtet werden. Doch schließlich merkt Scott, wie viel schöner es ist, Freunde anstatt von Feinden zu haben, und will alles wieder in Ordnung bringen. Denn bald wird er gar kein Gewicht mehr haben, und wer weiß, was dann mit ihm geschieht. TAG NULL rückt immer näher.

Die Geschichte von Scott ist angenehm mitzuverfolgen. Auch wenn das Gedankenexperiment, immer mehr Gewicht zu verlieren, ohne etwas tun zu können, durchaus beunruhigend sein kann, hat es etwas leichtes, dieses Buch zu lesen. Scott findet sich einfach mit seinem Schicksal ab. Es ist nicht besonders wichtig für ihn, natürlich beschäftigt er sich damit, und es ist hin und wieder schwierig, sich damit abzufinden, viel wichtiger ist es aber, seine verbleibende Zeit mit Freunden zu verbringen. Und zum Beispiel auch die eigenen Vorurteile zu überwinden, wie auch anderen dabei zu helfen. Und das wiederum hat etwas herrlich Beruhigendes.

Genre: Roman

Erzählform: Vergangenheit, Personaler Erzähler (Scotts Perspektive)

Seitenzahl: 143 (Deutsche Ausgabe, gebunden)

Erscheinungsjahr: 2018

Bewertung: 7/10 Punkten

Wenn dir dieses Buch  gefallen hat, dann gefällt dir vielleicht auch Joyland – Stephen King.

Alone – Cyn Balog

Sometimes being alone is better.

In einem abgelegen Haus inmitten von Schnee, der sie von jeglicher Zivilisation abschirmt, müssen Seda und ihre Geschwister den Winter verbringen. Trotz den wiederholten Versprechen ihrer Mutter, in ihre Heimatstadt Boston zurückzukehren, fürchtet Seda schon lange, in dem geerbten Haus bleiben zu müssen. Früher hatte es einmal ihrer Tante und ihrem Onkel gehört, die das ganze in ein „Haunted House“ verwandelt haben. Überall an den Wänden ist Kunstblut, das Haus sieht aus, als würde es gleich einstürzen und auch alles andere sollte den Besuchern möglichst viel Angst einjagen. Sedas Mutter gefällt das, sie ist ganz vernarrt in Horrorfilme, schreibt sogar ein Buch basierend auf ihnen, und auch den kleinen Geschwistern scheint das alles nichts auszumachen. Nur Seda hat langsam von all dem genug. Ohne Internet oder Telefonzugang von ihren Freunden abgeschnitten zu sein, setzt ihr ganz schön zu.

Umso faszinierter ist sie, als sie eine Gruppe von Jugendlichen in dem kleinen Supermarkt trifft, in Halloween Kostüme gekleidet und sprudelnd vor Leben. Noch verblüffter ist sie, als die selben Teenager nahe ihres Hauses auftauchen, verirrt im Schnee und unfähig ihren Weg zurück zu finden. Seda überredet diese, sich in der Scheune zu verstecken, angeblich vor ihrer Mutter, aber das ist nur ein Vorwand. Denn Seda versucht die Jugendlichen nur vor einer Sache zu beschützen: Ihr selbst.

Das Buch klingt interessant? Dachte ich mir auch. Ist es aber leider nicht. Sedas „Großes und Gefährliches Geheimnis“ (welches im Übrigen in jedem zweiten Satz ab der ersten Seite erwähnt wird) besteht darin, dass ihr ungeborener Zwillingsbruder sie ständig begleitet, allein für sie hörbar. Und er scheint andere Menschen nicht sehr zu mögen, da Seda unfassbare Angst hat, einen von den Jugendlichen auf sein Geheiß hin verletzen zu müssen. Klingt immer noch ganz okay?

Das Problem ist nur… ein abgelegenes Haus in den Bergen, im Schnee begraben, die Familie darin ist abgeschnitten von der Außenwelt. Wir haben einen Hauptcharakter, der Gefahr läuft, die anderen umzubringen oder wenigstens zu verletzten, ohne es wirklich zu wollen. Scheint so, als habe jemand „Shining“ gelesen, was? Vielleicht geht es ja auch nur mir so, aber „Alone“ kommt mir vor, als hätte jemand versucht, Stephen Kings Klassiker in einen harmloseren Roman für Teenager zu verwandeln. Noch dazu: Seda nervt mich. Sie erzählt die ganze Zeit wie schwierig es ist, ihren Zwillingsbruder zu hören und wie gefährlich sie das macht, aber dieser sagt höchstens einmal alle drei Kapitel einen mäßig bedrohlichen Satz. Allerdings muss ich einräumen, dass ich es knapp bis zur Hälfte mit dem Lesen geschafft habe, (teils weil ich mich einfach gelangweilt habe, teils weil dann „Gegen das Schicksal“ erschienen ist) also keine Ahnung ob es noch spannender wird. Falls ich mich doch dazu durchringe, es fertig zu lesen, werde ich ein Update hochladen.

Falls einer von euch dieses Buch gelesen hat: Lohnt es sich weiterzulesen? Und sagt mir bitte: Teilt ihr meine Meinung?

Genre: Thriller

Erzählform: Gegenwart, Ich-Erzähler (Sedas Perspektive)

Seitenzahl: 277 (Englische Ausgabe, gebunden)

Erscheinungsjahr: 2017

Bewertung: 3/10 Punkten

Ihr wollt etwas über eine bessere Version dieses Romans erfahren? -> Shining – Stephen King

Joyland – Stephen King

Sie drehte sich um und stolzierte neben mir her. „In deiner Zukunft sehe ich ein kleines Mädchen und einen kleinen Jungen. Der Junge hat einen Hund. […] Das Mädchen trägt ein rotes Käppi und hat eine Puppe im Arm. Eines der Kinder hat das zweite Gesicht. Welches, weiß ich nicht.“ Ich hörte ihr kaum zu. […] Madame Fortuna irrte sich oft, wie ich später herausfand, aber […] an [diesem] Tag landete sie einen Volltreffer nach dem anderen.

Devin Jones ist 21 als er im Sommer des Jahres 1973 einen Job im Vergnügungspark Joyland annimmt. Noch am Tag seines Vorstellungsgesprächs erfährt er von dem Mord, der sich im „Horror House“, Joylands eigener Geisterbahn, zugetragen haben soll. Dem  Opfer, einer jungen Frau namens Linda Gray, wurde, Erzählungen zufolge, während einer Fahrt darin die Kehle durchgeschnitten. Ihr Begleiter und Mörder ließ ihre Leiche im „Horror House“ zurück, wo sie einige Stunden später gefunden wurde. Angeblich soll ihr Geist noch immer darin herumspuken. Devin lässt sich von der Geschichte allerdings nicht abschrecken, genauso wenig wie von der düsteren Prophezeiung Madame Fortunas, der Wahrsagerin im Park.

Mit seiner gutmütigen und freundlichen Art findet Devin schon bald zwei neue Freunde: Erin und Tom. Aber dafür lässt seine erste große Liebe, seine Collegefreundin Wendy Keegan, ihn sitzen. Das führt Devin zu der Entscheidung, nach Ende der Saison noch in Joyland zu bleiben und dort zu arbeiten. Während Erin und Tom also wieder zurück an die Uni gehen, beschließt Dev sein Studium für ein Jahr zu unterbrechen. So lernt er Annie und ihren schwer kranken Sohn Mike kennen.

Doch Linda Grays Geschichte lässt ihn einfach nicht los. Nachdem Tom behauptet, ihren Geist gesehen zu haben, versucht Devin mit allen Mitteln, dass ihm das gleiche geschehen möge. Erin recherchiert für ihn alles rund um den Mord, und so steckt Devin seine Nase viel zu tief in Dinge, von denen er lieber die Finger lassen sollte.

Als großer Fan von Stephen King muss ich natürlich wieder als allererstes den Schreibstil loben, davon bekomme ich echt nicht genug. Was die Geschichte angeht, habe ich leider schon besseres von ihm gelesen. Devin an sich ist ein Charakter, den man wirklich leicht mögen kann: er ist ein netter junger Mann, der den Großteil seiner Zeit in seinem Zimmer verbringt, wo er „Herr der Ringe“ ließt und seiner großen Liebe Wendy nachtrauert. Auch die anderen Figuren sind sehr angenehm, vor allem Erin mochte ich sehr. Allerdings muss ich sagen, dass die Handlung, die sich ab einem gewissen Zeitpunkt größtenteils um den Mordfall dreht, teilweise nicht besonders stark ist. An den meisten Stellen ist es ziemlich voraussehbar. Aber: ich habe die Handlungslinie im Gesamten trotzdem genossen, vor allem in der ersten Hälfte, wo Devin sich abmüht, kleine Kinder während der Saison zu bespaßen. Auch die Dynamik zwischen ihm und seinen neuen Freunden hat mir gefallen. Noch dazu muss ich sagen: das Buch ist weder brutal noch gruselig, also deswegen muss man sich nicht abschrecken lassen.

Genre: Roman

Erzählform: Vergangenheit, Ich-Erzähler (Devins Perspektive)

Seitenzahl: 352 (Taschenbuch)

Erscheinungsjahr: 2012

Bewertung: 6/10 Punkten

Der Große Gatsby – F. Scott Fitzgerald

Er [Gatsby] lächelte verständnisvoll – ja mehr als verständnisvoll. Es war so ein besonderes Lächeln, wie es einem vielleicht vier- oder fünfmal im Leben zuteil werden mag, ein Lächeln, das einem für alle Ewigkeit Mut zusprach. […] Er verstand einen gerade so weit, wie man verstanden werden wollte, glaubte an einen, wie man selbst gerne an sich geglaubt hätte, und versicherte einem, dass es exakt den Eindruck hatte, den man im besten Fall zu vermitteln hoffte.

New York 1922. Nick Carraway zieht vom Mittelwesten nach West Egg, New York. Während er selbst im Börsengeschäft nur wenig verdient und in einem bescheidenen kleinen Haus wohnt, lebt sein Nachbar, der mysteriöse Mr Gatsby, in einem stattlichen Palast neben ihm. Viele Gerüchte ranken sich um ihn, aber ob er nun ein deutscher Spion im Krieg, ein Verwandter des Königs oder ein Krimineller ist, weiß keiner so genau. Jedes Wochenende findet sich halb New York in Gatsbys Haus ein; denn eines ist sicher über ihn: er gibt die besten, die größten und die glamourösesten Partys. Auch Nick begibt sich eines Abends aufgrund einer Einladung Gatsbys dorthin, und trifft dort zum ersten Mal den sagenumwobenen Gastgeber.

Bei einem Essen mit seiner Cousine Daisy und deren wohlhabenden Mann Tom Buchanen lernt Nick außerdem die schöne Golferin Jordan Baker kennen. Über Jordan erfährt er von Gatsbys unglücklicher Liebe zu Daisy, die sich von früher kannten. Nick tut Gatsby den Gefallen, ihm und Daisy ein Treffen zu arrangieren. Und so werden er und Jordan hineingezogen in die verworrene Liebesgeschichte der beiden, während sie gleichzeitig die halb offene Beziehung von Daisys Ehemann und seiner Mätresse miterleben.

Und während sich die Liebesbeziehungen zuspitzen und der Moment näherrückt, in dem Gatsby Daisy drängt, ihren Mann für ihn zu verlassen, wird Nick Carraway Zeuge von Jay Gatsbys ungewöhnlicher Gabe der Hoffnung und von der Leichtfertigkeit der Menschen.

Als großer Fan der Neuverfilmung des Großen Gatsby mit Leonardo DiCaprio war es für mich nur eine Frage der Zeit, bis ich den Roman lesen würde. F. Scott Fitzgeralds Meisterwerk gilt nicht ohne Grund als große amerikanische Literatur und obwohl ich die Handlung schon kannte, habe ich jede Seite genossen. Die Charakterzüge der Figuren und deren Beziehungen untereinander finde ich sehr interessant mitzuverfolgen. Auch mit seiner sprachlichen Schönheit konnte mich der Große Gatsby allemal überzeugen, und so kann ich ihn nur jedem empfehlen, der gerne Romane liest.

Genre: Gesellschaftsdrama

Erzählform: Vergangenheit, Ich-Erzähler

Seitenanzahl: 224

Erscheinungsjahr: 1925

Bewertung: 10/10

Wütender Sturm – Victoria Aveyard

Bevor ihr weiter lest, möchte ich nur einmal kurz erwähnt haben: das hier ist die Rezension für den vierten Teil einer großartigen Fantasy-Buchreihe (erster Band „Die Rote Königin“) und ich werde zwar für die Rezension dieses Buches Spoiler vermeiden, wer allerdings die ersten drei Bände der Reihe noch nicht gelesen hat: SPOILERWARNUNG!

Rise, red as dawn.

Mare Barrows Welt ist aufgeteilt in Menschen mit rotem oder silbernem Blut. Gewöhnliche „Rote Ratten“ und die Silberne, denen übernatürliche Fähigkeiten zustehen, von denen sie sich versprechen, besser zu sein als ihre roten Untertanen.

Und dann gibt es noch Menschen, die so sind wie Mare: Neublüter, mit rotem Blut und silbernen Fähigkeiten.

Als Leitgesicht der Scharlachroten Garde kämpft Mare, gemeinsam mit ihrem Geliebten Cal, dem gefallenem Silberprinzen, gegen dessen Halbbruder Maven, der sich mit Hilfe von Intrigen und Machtspielen auf einem gestohlenem Thron hält. Während die Scharlachrote Garde nichts anderes im Sinn hat, als Rechte für die unterdrückten Roten und die Abschaffung des totalitären Herrschers in Norta durchzusetzen, versucht Cals Großmutter, ihren Enkelsohn als „wahren König“ zurück an die Krone zu bringen. Genau das bringt einen großen Zwiespalt zwischen Mare und Cal, denn keiner von beiden will in seiner Ansicht der Dinge nachgeben.

Das neue Königreich der Riftzone, ebenfalls regiert von einer silbernen Familie, mit dem Magnetor Volo Samos an der Spitze, hat sich, zusammen mit der freien Republik Montfort auf die Seite der Roten, gegen Maven, zusammengeschlossen. Auch Evangelina Samos befindet sich in einer heiklen Lage: als Prinzessin der Riftzone wird sie dazu gezwungen sein, Cal zu heiraten, sobald dieser den Thron besteigt, um die beiden Königreiche für immer aneinander zu binden. Aber nach einem Besuch im demokratischen und liberalen Montfort wird ihr die Aussicht auf Freiheit und ein unbeschwertes Leben mit ihrer Geliebten schmackhaft gemacht. Doch sie weiß nicht, ob und wie sie gegen die Befehle ihres Vaters aufbegehren kann.

Iris Cygnet verfolgt als Prinzessin der Lakelands ganz eigene Pläne: ihren Ehemann Maven zu überlisten und das Land Norta zu ihrem eigenen machen. Doch vorerst muss sie noch an dessen Seite stehen und so tun, als würde sie mit ihm zusammenarbeiten.

Piedmont schlägt sich ebenfalls auf Mavens Seite, gemeinsam mit dem Großteil der Silberhäuser, die nicht für Cal kämpfen.

Kurz gesagt bekriegen sich also vier Seiten um die Herrschaft in Norta: Cal, der als älterer Bruder von seinem Erbrecht Gebrauch machen möchte, unterstützt vom Königreich der Riftzone; die Scharlachrote Garde, gemeinsam mit Montfort, die Demokratie und Gleichberechtigung wollen; die Lakelands; und Maven, mit den hohen Adelshäusern an seiner Seite, der sich mit allen Mitteln an seine Macht klammert.

Das Buch hat mir sehr gut gefallen, die vielen unterschiedlichen Seiten im Krieg und die verschiedenen Handlungsstränge der Liebesbeziehungen waren immer sehr interessant mitzuverfolgen. Sehr amüsant  fand ich natürlich die Dreiecksbeziehung zwischen Elane, ihrem Ehemann Ptolemus, und dessen Schwester Evangelina, die heimlich schon immer mit Elane zusammen war. (Dazu muss man sagen, dass bei den Silbernen Heirat keineswegs mit Liebe, sondern mit Machtbündnissen zu tut hat.)

Eine schöne Abwechslung (vor allem von den vielen Schlachten) fand ich auch die Besuche in Montfort, was einen neuen Schauplatz dargestellt hat, und sich meiner Meinung nach wunderbar in die Geschichte eingefügt hat.

Etwas schade dagegen fand ich, dass Cameron, die vor allem im zweiten Band der Reihe eine große Rolle gespielt hatte, im vierten Band fast gar nicht mehr vorkam.

Und zum Schluss muss ich dann noch ein ganz persönliches Problem erwähnen, und das heißt Cal. Der ist, wie Victoria Aveyard in Frankfurt auf der Buchmesse treffend gesagt hat: manchmal ein echter Backstein. Und es nervt mich, dass er einfach keine eigenen Entscheidungen treffen kann! Ihr müsst wissen, meine Lieblingspersonen in diesen Büchern sind (in dieser Reihenfolge): Maven, Mare, Evangelina und Farley. Womit ich natürlich blöd dran bin, da Maven den Bösewicht darstellt. Also, ich muss zugeben, ich hatte wirklich Angst, dieses Buch zu lesen, schließlich muss ein Bösewicht in den meisten Fällen sterben, aber ich habe mich trotzdem dazu durchgerungen. Neugierde siegt doch fast immer! (Und die Hoffnung stirbt zuletzt.)

Das Lesen hat sich wirklich gelohnt, diese Reihe ist eine meiner Liebsten, was Fantasy Romane angeht, und ich kann sie wirklich nur jedem ans Herz legen, der dieses Genre genauso mag wie ich.

 

Genre: Fantasy, Jugendbuch

Erzählform: Gegenwart, Ich-Erzähler (wechselnde Perspektiven)

Seitenzahl: 778 (gebundene Ausgabe)

Erscheinungsjahr: 2018

Bewertung: 9/10 Punkten